Montag, 5. Februar 2018

Heilige und Lieblingsorte

31.10. - 5.11.2017

Ich wusste nicht, dass es Orte gibt, die ich nicht mit Worten beschreiben kann - vielleicht sind es auch spezielle Gefühle oder Emotionen, die an diesen Orten in mir hervor gerufen werden - auf jeden Fall habe ich in dieser Woche etwas wirklich unbeschreibliches erlebt.



Aber erstmal was sonst noch so passiert ist:

Die meisten Menschen kennen den 31. Oktober als Halloween-Tag. Dieses Jahr hatte ich endlich mal wieder die Zeit einen richtige Kürbis auszuhöhlen und zum Leben zu erwecken ;-)
Für Dienstagabend waren Christina, Therese (unsere gleichaltrige Nachbarin) und ich von den Schwestern aus Romajay zur Allerheiligenfeier in ihr Konvent eingeladen. So machten wir uns zu dritt in der Abenddämmerung auf den Weg durch das Tal auf den nächsten Hügel, wo die Schwestern wohnen. Für Threse war es das erste Mal, mit den Schwestern in ihrer Kapelle zu beten, und wir alle drei haben die Feier mit Kerzenlicht, Besinnungszeit und jede Menger Geschichten von Heiligen geliebt.


Duden Definition: Heilige*r
  1. (katholische Kirche) Person, die ihr Leben für den Glauben hingegeben oder die christlichen Tugenden heroisch gelebt hat und deshalb von den Gläubigen verehrt und um Fürbitte bei Gott angerufen werden darf
  2. (umgangssprachlich) sehr fromme, tugendhafte Person
(nach https://www.duden.de/rechtschreibung/Heilige)


Manche Menschen, auch Christen, ich zähle mich selbst dazu, fällt es schwer die Art zu verstehen, wie man "zu Heiligen betet". Meinen Gedanken nach, werden diese ganz besonderen Menschen, ebenso wie zum Beispiel auch Maria, die Mutter von Jesus, im Gebet als Wege zu Gott gesehen. Ich selbst finde die Geschichten von Heiligen super spannend und sehen viele von ihnen als Vorbild für ein gutes Leben an. Oft werden Werte und Handlungen geschildert, die mir helfen zu verstehen, was für mich ein christliches Leben bedeutet.
Nach dem ruhigen und entspannten Abend brachten die Schwestern uns in der Dunkelheit mit dem Auto nach Hause.

Ein stolzer Hahn vor unsrer Tür

In den nächsten Tagen besuchte ich Till und Ben, die beiden Freiwilligen, die ich Shisong wohnen, zum ersten Mal. Es gab leckeren, "echten" Kaffee (keinen Instantkaffee) und wir haben viel erzählt und gelacht. Als Stressausgleich nach der Arbeit im Waisenhaus wurde diese Aktion während der nächsten Wochen immer mal wieder wiederholt.

Am Donnerstagabend starteten wir mit Therese gemeinsam eine neue Kochaktion: Karottenkuchen war geplant - der am Ende auch super geschmeckt hat :-) Wie man Karotten (Gemüse!!!) in einem süßen Kuchen verarbeiten kann, war allerdings für unsere kamerunischen Nachbarn ein Rätsel...

Karottenkuchen ...mmmh...lecker
Außerdem lernten wir spontan die Zubereitung von Garden Eggs (sehen wie winzige Kürbisse aus) kennen. Ich hatte das Gemüse vor einigen Tagen auf dem Markt gekauft und für Chinese Apples (eine Frucht, die vor allem nach Wasser schmeckt - ich mag's aber) gehalten. Der Verkäufer hatte mich entweder nicht verstanden, oder einfach seinen Spaß gehabt, als er mir stattdessen die Garden Eggs verkauft hat. Auf jeden Fall haben sie zuhause ganz komisch und anders geschmeckt und ich dachte schon, sie seien in der kurzen Zeit schlecht geworden. Schließlich zeigte und aber Therese wie man aus den Minikürbissen eine super leckere Soße zubereitet, die wir mit Reis genießen kontnen.

Und die Spätzle...
Ein Tag später trafen wir Felix, Chantal, Till und Ben zufällig in Mbve auf dem Markt und beschlossen noch "kurz" gemeinsam zu Felix und Chantal zu gehen. Als es "kurz"e Zeit später aber plötzlich dunkel wurden, ware wir uns alle einig, dass keiner von uns in der Dunkelheit nach Hause gehen sollte. Und so übernachteten wir spontan erneut bei den beiden in ihrer großen Wohnung.
Am Samstagmorgen mussten Christina und Ich allerdings früh aufstehen und verschwinden, da wir uns mit Flora bei uns zuhause zum Spätzle machen verabredet hatten.
Jede Menge Arbeit war das, aber am Ende haben wir alle drei das Essen sehr genossen.







Am Sonntag habe ich dann schließlich meine beiden Lieblings(natur)orte der Welt (bisher) kennengelernt. Morgens früh wollten wir uns mit Till, Ben, Felix und Chantal in Shisong mit einem Greencare Mitarbeiter von Till und Ben treffen. Nachdem wir einer möglicherweise gefährlichen Kuh auf unserem Weg nach Shisong ausweichen mussten, und somit zu spät kamen, ging es dann föhlich und gutgelaunt los.
Danger, der es als seine Mission ansieht, jungen Menschen die Natur um Kumbo herum ans Herz zu legen und jedwelige Verwendung der auffindbaren Pflanzen zu erklären weiß, führte uns durch die wunderhübsche Grasland-Landschaft zu einer Höhle mit einem Wasserfall. Danger konnte wirklich alle unsere Fragen zur Natur hier beantworten, und wenn er sich bei einer Sachen doch mal nicht ganz sicher war, sagte er einfach "old people know" (= die Alten Menschen wissen das), dem wir schließlich auch nichts mehr entgegenzusetzen hatten :-).

Auf dem Weg zum Wasserfall lernten wir, wie man aus bestimmten Kakteenähnlichen Pflanzen Seile herstellt, das man daraus Fußbälle bauen kann, was man essen kann, welche man lieber nicht berührt (wir haben's hautnah erlebt), wie man Wunden desinfiziert, wie der hierbekannte Palmwein hergestellt wird, welche Pflanzen man als Regenschirm benutzen kann, und so weiter... es war super spannend, und am Ende wartete ein Stück Paradies auf uns.

Klimazone: Grasland

Gemeinsame Picknickpause auf dem Hinweg



Fast geschafft...
Ein (für mich) riesiger Wasserfall 














Und ich konnte einfach DA SEIN













Ich wollte schon immer mal
 in einem Wasserfall duschen :D
-okay, das Wasser war stärker als gedacht.

























Und auf dem Rückweg ging es dann über einen Hügel, von dem aus man so weit blicken konnte. Es sah für mich aus, wie ich mir die Wüste vorstelle, nur irgendwie grün. Dieser Ort ist so verzaubert wunderschön, dass wir in der ganzen Gruppe irgendwie kein Wort gefunden haben, um gebührend zu beschreiben, wie es sich anfühlt, dort zu stehen.
Beide Orte habe mich später noch mit Papa besucht, als er zu Besuch nah Kumbo kam.


Verzaubert?










Ja.














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In the beginning of the week, Christina, Therese and I were invited to Romajay to celebrate All Saints with them together on Tuesday evening. In the next days, I visited Till and Ben, the two volunteers living in Shisong, to have a really good coffee in their place and to talk about work and the world in general. On Thursday, we baked a carrot cake with Therese and learned how to prepare garden eggs - it was so delicious. From Friday to Saturday we slept at Felix and Chantal's place and enjoyed the evening with all of our German friends. But we had to leave early in the morning because we wanted to meet Flora to make "Käsespätzle" an especially German/Austrian dish. On Sunday, we discovered the - for me - two most beautiful (nature)places in the world (until now). We went to a big cave and a waterfall and finally, we had a break on a mountain's top where we could see over the whole grassland environment. It was so unbelievably beautiful that we did not really find a word to describe the feeling of standing there and just looking around us.




















Dienstag, 16. Januar 2018

Strange food / Nice food ... und eine Nacht nicht Zuhause

23.10. - 19.10.2017

Diese Woche verlief relativ "normal" mit der üblichen Arbeitsmotivation und dem üblichen Arbeitsstress.
Strange food
Putzzeit
Am Freitag war wieder ein ernster Ghost town Tag angesetzt, an dem die ganze Stadt still stehen sollte. Diese Gelegenheit nutzen wir um einen dringend notwendigen Hausgeneralputz durchzuführen, eine sehr schöne Erfahrung, beim Betrachten des Resultates. Am Nachmittag fand unsere letzte Deutschstunde mit Clarise und Jenivause statt, für die wir uns etwas besonderes überlegt hatten: So richtig deutsches essen...einmal zum testen. Vielleicht waren wir auch dabei wieder etwas übermotiviert, denn wir haben uns das deutscheste Essen ausgesucht, dass uns einfiel: Würtschen mit Krtoffelsalat und Körnerbrot.
Naja, also die Würstchen waren nicht so mein Geschmack, aber der Kartoffelsalat und das Körnerbrot finde ich, sind uns ziemlich gelungen. Jenivause und Clarisse waren nicht gnaz so begeistert, aber das hatten wir auch nicht erwartet. Schließlich fiel es uns auch zu Beginn schwer, das kamerunische Essen wahrhaftig zu lieben (jetzt würde ich es allerdings richtig vermissen!!!). Genauso wie wir das ordentliche und hygienische Essen mit der Hand erlernen mussten, konnten die beiden den Gebrauch von unserem herkömmlichen Besteck testen. Am Ende waren trotz dem "seltsamen" Essen alle glücklich und haben sich auf ein Wiedersehen gefreut.

In solchen Situationen fällt mir immer wieder auf, wie recht einige unserer Trainer*innen in unserer Vorberietung mit der Aussage hatten, dass man zwar eine andere Kultur kennenlernt, aber eigentlich fast noch mehr in die Betrachtung seiner eigenen eintaucht. Ständige Vergleiche - nicht gut und schlecht - sondern so wie es hier ist und so wie es in Deutschland ist sind Teil meiner täglichen Gedanken. Super spannend und einmaliges...so etwas hätte ich zuhause in Deutschland nicht lernen können.

Am Samstag war Christina ziemlich erkältet ging jedoch trotzdem zu einem Meeting auf die Arbeit. Währenddessen kam der Plan von Till und Ben auf, die nahegelegene "Antennenbar" zu besuchen. Die beiden wollten nur noch "schnell mit einem Nachbarn Mais ernten gehen". Das das einen ganzen Tag mit anschließendem Bar-abend bedeutet, war den beiden damals noch nicht klar :-)
Die ominöse Antennenbar,
die wir allerdings erst Wochen später in life sehen sollten.
Um den Ausflug zu starten kamen Felix, Chantal und Aylin (eine weitere Frewillige aus Ndop, inzwischen ebenfalls Kumbo) zu uns nach Hause. Als klar wurde, dass die beiden Jungs sich verspäten würden, bzw. eher nicht kommen können, beschlossen wir kurzerhand ein Kartoffelpuffer-Meeting zu eröffnen. Sooo lecker und in Gesellschaft von Freunden umso besser. Auch Christina konnte die Leckereien nach der Arbeit schließlich genießen. Und als die anderen uns dann mehr oder weniger (mich eher weniger) überredeten auch noch am Abend mit in die Stadt in eine Bar zu gehen und bei ihnen zu übernachten, wurde die gemeinsame Zeit noch um einiges ausgedehnt.

Während die anderen ihr Guiness-Bier oder jedweilige andere Biere genossen, hatte ich viel Freude an meiner Top-Limo (das ist eine Marke, aber sie war auch "top"=also gut).
Da Christina und ich - wie bereits im letzten Artikel erwähnt - ein paar Schwierigkeiten haben, nachts noch sicher und entspannt nach Hause zu kommen (besonders auch wegen der etwas kritischen politischen Lage), war uns die Übernachtungseinladung von Felix und Chantal sehr willkommen. Die beiden haben jede Menge Platz bei sich zuhause und sind total gastfreundlich.

Den Sonntag
begannen wir mit einem ausgedehnten Frühstück, bevor wir abends bei uns Zuhause Sister Gabriel Marie und Sister Mirjam Dominique empfingen. Die beiden befreundetetn Schwestern aus dem Konvent in Romajay baten darum, unser WLAN mal benutzen zu können um ein paar wichtige Dokumente zu versenden. Viele andere Internetzugänge der Region waren geblockt. Allerdings war unsere Internetverbindung auch nur vorhanden, bis wir das Auto vor der Tür hörten - sobald die beiden Schwestern es nutzen wollten, wollte die Verbindung dann leider nicht mehr.
Tja, da kann man nix machen... mal ist Internet da, mal leider nicht.
Die beiden Schwestern luden Christina, unsere Nachbarin Therese und mich allerdings auch zum Allerheiligen Gebet am kommenden Dienstagnachmittag ein, was schließlich wirklich außergewöhnlich schön war.
Abendsonne

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green oranges?! :D
If I can say "normal" to my work routine, then I would say it to this week. There was a lot of stress and motivation changing my mood during this period of time. On Friday was a serious ghost town day and we took the opportunity to clean our house very well, until we realized how nice it is to finish a cleaning action. In the afternoon, we had our last german lesson with Jenivause and Clarise in which we planned to cook some very German food - not everyone of us four enjoyed the meal, but everyone was brave and tried his and her best. On Saturday Christina was a bit sick, but finally went to a meeting at her workplace. The other German volunteers came in the afternoon and we made wonderful "Kartoffelpuffer" (potatoe pancakes), before we went to a bar in the town later in the evening. It was so nice for Christina and me to be able to move outside after sunset, and we were really thankful for the opportunity to sleep at Felix and Chantals house this night. Their hospitality is great. After a long breakfast on Sunday morning we went home and got visited by the Romajay sisters, who wanted to use our wifi - unfortunately it just stopped working, when they arrived. Anyway, they invited us and our neighbour Therese for a special all-saints prayer on the coming Tuesday afternoon.

Our dear garden goats














Morgen, mittags, abends - eine Lehrerkarriere wird ausgebaut

16. - 22.10.2017
Ein kleines Wunderwerk in meinem Zimmer
Faszinierden oder gruselig? :D
Während in Deutschland die ersten Vorbereitungen für den Aufenthalt meines Vaters hier in Kamerun (er wollte uns gerne über Weihnachten besuchen kommen) getroffen wurden, steigerte sich hierzulande mein Arbeitspensum als Laien-Lehrerin täglich erheblich.
Auch wenn ich mir zur Zeit nicht vorstelen kann, tatsächlich Lehramt nächstes Jahr zu studieren, merke ich immer wieder, wie viel Spaß es mir macht, zu unterrichten und wie wichtig mir Bildung im allgemeinen ist.
Während im Waisenhaus immer mehr Caretaker-Schülerinnen zu meinen Nachmittagsstunden kamen, und ich schließlich versuchte auf drei verschiedenen Leveln gleichzeitig zu unterrichten - was echt nicht immer leicht oder angenehm war - begann auch Zuhause unser Nachmittagsunterricht (also nach der Arbeit) mit Jenivause und Clarise, den beiden zukünftigen kamerunsichen Frewilligen, die sich im nächsten Jahr in der Diözese Limburg aufhalten sollen. Leider war und ist bis heute noch nicht alles mit ihren Pässen und den Visa geklärt. Für anglophone Kameruner*innen ist es zur Zeit relativ schwer ein Visum zu bekommen, ich denke da ist das Reiseziel sogar relativ egal.

Ein neues Kochexperiment:
Kartoffelpuffer mit Avocadomus
- sehr zu empfehlen.
Wir versuchten in den folgenden zwei Wochen den beiden einen kleinen Basiseinblick in die deutsche Kultur und vor allem die Sprache zu geben. So ging es vor allem um Begrüßungen und Vorstellungen, ebenso wie Fragen, die Zahlen und Farben und Gegenstände im Haus. Es war ziemlich viel für die beiden und Christina und ich waren vielleicht auch ein wenig übermotiviert bei der Sache. Ich denke, es wäre für keinen Menschen leicht, sich das alles zu merken - auch wenn sich die beiden sehr bemüht haben - in Deutschland wird es für sie gewiss einfacher, ins Leben hereinzukommen und die Sprache richtig zu lernen. Christina und ich haben uns gefreut, mit den beiden übers Fliegen oder über Züge unter der Erde zu diskutieren. Es war wirklich spannend.

Am Sonntagmorgen lud uns Father Frankline zu einem Gottesdiest nach Kikaikela'ki ein, dem Teil Kumbos, in dem er lebt. Der Gottesdienst wure von den Jugendlichen der Diözese gestaltet und von Father Frankline persönlich zelebriert, was dazu führte, dass der Gottesdienst insgesamt circa 4 Stunden dauerte. Das klingt lange? - :D Nein, so lange war das gefühlt gar nicht. Mindestens zwei Stunden wurde bei der Kollekte getanzt und gesungen, und da wir die meisten Lieder kannten, konnten wir auch richtig mitfeiern. Father Franklines Predigt war dann circa noch eine Stunde (hier gilt der Spruch nicht, dass eine gute Predigt über alles außer 10 Minuten gehen darf ;-) - Jeder, der mich kennt weiß, dass ich das eh schon lange über den Haufen geworfen habe. Ich liebe interessante Predigten).
Am Nachmittag trafen wir uns dann noch mit den anderen deutschen Frewilligen auf dem Markt und waren anschließend Pizza essen. Eine super Sache und seit dem verbringen wir tatsächlich viele, viele Wochenenden gemeinsam und erkunden die Gegend. An diesem Sonntagabend merkten wir allrdings, wie anstrengend es eigentlich ist, soweit außerhalb zu wohnen. Während die anderen immer noch länger gemütlich beisammen sitzen konnten, mussten wir uns spätestens im Sonnenuntergang auf den Weg nach Hause machen. Trotzdem war es sehr schön an diesem Tag und die Pläne für die nächsten Wochenenden wurden immer mehr ausgeschmückt

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My "professional" teacher-skills were developed during this period of time. While I got more and more students in my caretaker-afternoon-classes, we also started our German lessons with Jenivause and Clarise, the two volunteers who will be sent to our diocese in Germany next year.
On Sunday morning father Frankline invited us to a mass in Kikaikela'ki, that the youths of the diocese animated. The mass was long but so nice that we did not even recognize the length. So much beautiful music and dancing :-)
In the afternoon, we went to the market with all the German volunteers who were living in Kumbo at that moment. Afterwards, we enjoyed our pizzas at Edwin's coffeeshop. It was very nice and we were planning our next trips during the coming weekends.

Dienstag, 9. Januar 2018

Was ist denn ein Picknick?

10.10. - 15.10.2017

wunderschöne Blüte im trocknen Mais
Nach unserer längeren Arbeitsraum im Kloster konnten wir unsere Beschäftigung nun wieder aufnehmen. Nach einem Arbeitstag trafen Christina und ich uns unten in der Stadt und genossen zum ersten Mal das leckere Essen einer „Straßenküche“. Was ist denn das? fragen sich jetzt bestimmt einige ;-) Ab circa 17:00 Uhr am Abend kommen einige Frauen mit ihren Kochutensilien (tragbarer Feuerstellentopf, Pfanne, Topf, Besteck, Teller und Co.) auf die Straße und braten unglaublich leckere Omelettes mit selbstgerechten Pommes-Bratkartoffeln. Alles schmeckt total frisch und für 500 Francs (was vom Preis her echt okay ist) bekommt man ein super Abendessen und kann dabei noch das abendliche Stadtleben Kumbos betrachten. Richtig nett… :-)





Der Alltag schlägt wieder zu
- mit mehr Arbeit denn jeh
für mich als Lehrerin im Waisenhaus.
Außerdem haben wir uns in dieser Woche das erste Mal mit Jenivause zu einem kurzen Planungsgespräch im Jugendzentrum getroffen. Jenivause ist einer der Freiwilligen, die das nächste Jahr in Deutschland verbringen werden - sozusagen einer unserer Austauschfreiwilligen. Die nächsten zwei Wochen sollten wir ihm und seiner Mitfreiwilligen Clarise bei uns Zuhause Deutschunterricht geben.

Auch super war das gemeinsame Kürbisblätter-kochen mit Therese in ihrer Feuerküche. Therese ist unsere direkt Nachbarin. Sie ist in unserem Alter, hilfsbereit und total lustig. Inzwischen verbringen wir viele Abende gemeinsam, sofern sie hier oben in SAC lebt und zur Schule geht. Ich wusste nicht, dass man Kürbisbläter tatsächlich essen kann - bisher dachte ich nur an die Kürbisse. Aber, das ist möglich - und ich finde, es schmeckt richtig gut. Bis heute ist das mein kamerunisches Lieblingsessen :-) … ich hoffe, dass ich das Rezept bald mit euch teilen kann.

Christina und ich haben unsere Stalkerkarriere mit großem Erfolg fortentwickelt. Nachdem wir Annika und Lisann, die beiden super lieben Freiwilligen der Prespetarian Church kennenlernen durften, kam nun die Zeit der neuen Freiwilligen. Und zwar waren wir gleich vier deutsche mehr in Kumbo, als wir diese erste Woche nach dem Streik hinter uns gebracht hatten.
Im Prinzip hat ja alles erstaunlich normal funktioniert in dieser Woche. Wir konnten normal auf die Arbeit gehen und im Prinzip schien alles sogar „normaler“ als vor dem 1. Oktober zu sein. Sehr seltsam, fanden wir…aber irgendwie auch ganz gut so :-)
Gespannt und aufgeregt noch mehr verrückte (im positiven Sinne;-) Menschen zu treffen, die sich dazu entschieden haben, ein Jahr ihres Lebens in Kamerun zu verbringen, entwarfen wir sogleich einen Plan.



Es gibt hier eine wunderschöne, gut gepflegte Wiese vor dem Pastoral Center, das ziemlich genau neben unserem Haus liegt. Eine wunderschöne Wiese, die sich hervorragend für ein Picknick eignen würde. Also luden wir ein paar kamerunische Freunde von uns und die „neuen“ deutschen Freiwilligen zum picknicken auf die Wiese ein. „Was ist denn ein Picknick?“ wurde ein paar mal von unseren Freunden aus Kumbo gefragt (zumindest im Stillen), denn so etwas ist hier sehr ungewöhnlich. Felix, Chantal, Till und Ben, sowie Luise mit Lukie (einem anderen Freiwilligen aus Bamenda, der bei ihr zu Besuch war) waren pünktlich zur verabredeten Uhrzeit bei uns zuhause - wir waren natürlich noch nicht so weit mit unseren Vorbereitungen für’s Picknick. Aber dann ging es zusammen damit weiter.Und schließlich saßen wir gemeinsam auf der besagten Wiese und genossen einen wunderschönen, unglaublich lustigen Nachmittag. Irgendwie haben wir uns von Anfang an alle so gut verstanden - und das ist ein kleines Wunder, weil wir uns in Deutschland wahrscheinlich niemals in genau dieser Gruppe zusammen gefunden hätten…denn wir Deutschen wohnen alle Deutschland verstreut und die Kameruner*innen haben leider nicht so einfach die Möglichkeit in Deutschland aufzutauchen.

FREUNDE :-)

Mit Frisbee spielen, Gitarren- und Aca Pella Musik, leckerem Essen und Yoga wurde uns nicht langweilig. Es ergaben sich tolle Gespräche und eine Grundlage für wunderbare Freundschaften, die während der nächsten Wochen und vor allem Wochenenden immer weiter wuchs.
An diesem Abend benutzen Christina und ich die Worte „Heute war so ein richtig perfekter Tag.“
Und dabei hatten wir ein echt gutes Gefühl.
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After coming back from Romajay, our normal daily work started again and Christina and I met in town one day to try the food of one of the street kitchens that can be found everywhere at squares up from 5pm in the evening. We also met Jenivause, one of the future volunteers coming to Germany. With our neighbor, we learned how to cook pumpkin leaves - one of my favorite dishes here (I hope to be able to share the recipe with with you). Christina and I improved our stalker carrier again with our interest in the 4 new volunteers coming to Kumbo at this time. So we invited our Cameroonian and German friends (inclusive the "new" volunteers) and organized a picnic in front of the pastoral center right beside our house. It was very, very nice - it the end of the day a lot of new and strong relations were created.



Mittwoch, 27. Dezember 2017

Romajay

1.10. - 9.10.2017

Habt ihr schon einmal in einem Kloster gelebt? Also für länger, als ein Wochenende?
Dann wisst ihr vielleicht, wie intensiv diese Erfahrung für mich gewesen ist.

Willkommen in der Kapelle 


Am Sonntag, dem lang gefürchteten 1. Oktober, verbrachten wir unseren ersten Tag bei den Sisters in Romajay. Schon zuvor hatten wir die Schwestern des Mary Morningstar Convents (ein junger Orden aus Frankreich) einige Male besucht und uns mit ihnen angefreundet. In dem internationalen Konvent hier in Kumbo leben 5 Schwestern und 5 Novizinnen, bzw. Lebensschülerinnen aus Kamerun, den USA, Österreich, Spanien und Nigeria. Untereinander sprechen die Schwestern Englisch und Französisch meist zu gleichen Anteilen, auch wenn sie für uns oft das Englische bevorzugten, sofern es möglich war.
Sister Mirjam, eine österreichische Schwester, half uns von Anfang an sehr, uns mit dem Leben im Konvent zurecht zu finden. Jeden Abend fanden wir nach dem Abendgebet einen kleinen Zettel mit dem Programm für den nächsten Tag, an dem wir teilnehmen konnten, wenn wir wollten.

Das Kerzenatelier ;-)





Künstler am Werk => Kunstwerk










Oft fing ein „typischer Wochentag“ der Sisters mit dem Laudesgebet in Französisch an. So kommt es, das alle Schwestern morgens früh noch vor Sonnenaufgang (also circa zwischen 4:30 Uhr und 6:00 Uhr) gemeinsam in der Kapelle sitzen, in stiller

Anbetung und schließlich im Gesang und Gebet. Diesem Morgengebet folgt meist eine heilige Messe, zu der auch Menschen aus der Nachbarschaft kommen. Anschließend gibt es Frühstück. Die Schwestern bedienen sich beim Essen immer an einem Buffet im Refektorium (einer Art Essensraum) und setzten sich dann aber alleine in ihr Zimmer oder nach draußen, um beim Essen nachzudenken oder zu lesen. Dann ist Zeit für die Bible Sharing Groups, in denen man gemeinsam über die biblischen Textes des Tages diskutiert und berät. Das nächste Gebet der Sisters heißt Sext und findet vor dem Mittagessen statt. Nach dem Mittagessen geht es weiter mit Philosophiestunden oder Pause oder Hausarbeiten. Des Weiteren kommen dann auch die richtigen Handarbeiten der Schwestern hinzu. Dazu gehört töpfern, Kerzen herstellen und bemalen, Seifen- und Sirupproduktion (soweit ich das verstanden habe). Die Endprodukte werden von den Schwestern in der Diözese verkauft und sorgen somit für den Lebensunterhalt des Konvents. Nach dem Abendessen folgt das Abendgebet (Vesper), ebenfalls mit Gesang und schließlich stiller Anbetung. Sofern besondere Feiertage sind, gestalten sich die Abendgebete in spezieller Weise außergewöhnlicher als sonst. Es werden Zitate verteilt oder besondere Lieder gesungen. Nach dem Abendgebet gehen die Schwestern normalerweise in ihre Zimmer und sobald man müde ist, wird es Zeit zu schlafen.
Das Konvent von außen












...mit dem Auto, dass uns in Zukunft
immer wieder den Heimweg erleichtern sollte.






















Uns war es, wie bereits erwähnt, freigestellt and wie viel Abläufen des Programms wir teilnehmen wollten. Ab und zu war ich morgens schon im Laudesgebet (auch um mein Französisch zu schulen), während Christina erst zur Messe hinzu kam. Manchmal hatten wir Mittags auch das Bedürfnis einfach mal rumzusitzen oder Musik zu machen. All das war kein Problem. Während der Woche habe ich besonders über zwei Themen sehr viel von den Schwestern gelernt: über „St. Therese of the Child Jesus“, und über den Rosenkranz - den ich inzwischen besser auf Englisch beten kann, als ich jemals auf deutsch in der Lage gewesen war. Wir konnten so viele Fragen stellen und immer wieder mit den Schwestern über unsere Meinung diskutieren. Nicht alles habe ich von dort übernommen, aber ich habe mich mit manchem Themen auseinander gesetzt, die ich sonst eher abgelehnt und nicht verstanden hatte. Ich glaube, dass mir diese Zeit wirklich sehr viel gegeben hat, was ich mein Leben lang behalten werde.

Neben dem Ausbau unserer unglaublichen Basketballfertigkeiten :D (die Sisters übrigens mit Gewand, Schleier und Rosenkranz - wie immer…aber verdammt gut) … durfte ich nach der offiziellen Chorprobe der Sisters sogar meine eigenen Chorleiterinnen-Fähigkeiten testen und gemeinsam haben wir versucht das Taizé-Lied „The kingdom of God is justice and peace, and joy in the holy spirit. Come Lord, and open in us, the gates of your kingdom.“ zu singen. Es war eine wunderschöne Erfahrung und gemeinsam mit der Taizé-ähnlichen Atmosphere des Konvents, war ich mir bald ziemlich sicher, dass ich nach dem Jahr im Sommer dringend nochmal nach Taizé fahren möchte.

Eigentlich hatten wir unseren Aufenthalt bei den Schwestern nur für ein bis zwei Nächte geplant und dementsprechend wenige Sachen mitgebracht. Die politischen Umstände ließen es aber nicht wirklich zu, dass wir am Mittwoch schon wieder wie gewohnt unserem Alltag hätten nachgehen können. Deshalb blieben wir insgesamt neun Tage im Kloster und haben nur irgendwann ein paar Utensilien von Zuhause nach geholt. Zum Glück hatten die Schwestern sogar eine Gitarre vor Ort, weshalb es mir eigentlich nie langweilig wurde.

Ich habe in den Tagen um den ersten Oktober etwas erlebt, dass ich hoffe, nie wieder erleben zu müssen. Ich hoffe das für alle Menschen. Im Prinzip hatte ich ein wenig Daueradrenalin im Blut, denke ich und konnte mich - trotz des ruhigen Lebens bei den Sisters - selten so richtig entspannen. Ich habe zum ersten Mal Schüsse gehört, die mit dem Sonnenaufgang anfingen und dann alle paar Minuten erdröhnten und erst mit dem Sonnenuntergang zu verstummen schienen. Wir, Christina und ich, haben uns bei den Sisters total sicher gefühlt und, die Tatsache, dass wir Frauen und keine Kamerunerinnen sind und auch noch viel mit der Kirche zu tun haben, gab uns ein gewisses Sicherheitsgefühl. Trotzdem ist es gruselig, in einem Haus auf einem Berg zu sitzen und rundherum aus dem Tal, in dem der Kern Kumbos liegt, Schüsse herausdringen zu hören - und bei keinem Schuss zu wissen, ob er gerade sein Ziel getroffen hat oder nicht. Es war echt unangenehm.
Ein Freund von uns kam am Sonntag Mittag mit seinem Rucksack zu den Schwestern gelaufen und erzählte, was in der Stadt vor sich ging. Laut seiner Berichte, drangen Polizisten und Militärkräfte bereits am Samstag in Häuser von Zivilisten ein, nahmen alle jungen Männer - gewalttätig oder nicht - vorsorglich in Haft um weitere Provokationen zu verhindern. Die Gefangenen wurden anscheinend überhaupt nicht gut behandelt und auch deshalb waren viele Männer und Jungen in unserem Alter in die nahegelegne Berglandschaft, etwas abseits der Stadt geflohen. Die meisten hatten dort zwischen Bäumen und Sträuchern die Nacht verbracht und große Angst zurück zu ihren Frauen, Müttern, Schwestern und Kindern zu gehen. Der eine Freund wurde nach der anstrengenden Nacht in den Bergen von seiner Mutter nach Romajay geschickt, um die Schwestern um Hilfe zu bitten und sich dort für einige Tage zu verstecken. Er blieb schließlich bis Donnerstag morgen, und nachdem am Dienstag die Gefahr abgeklungen zu sein schien, konnten wir drei unsere gemeinsame Zeit wirklich genießen.

Ich kann und konnte nicht wirklich beschreiben, wie es mir während dieser Zeit ging.
Vielen Menschen in Kumbo ging es viel schlechter als uns - wir hatten total Glück in unserer Situation und ich kann es nur schwer aufnehmen, wenn von irgendwelchen Seiten Mitleid gegenüber uns ausgesprochen wird. Eher sollten wir gemeinsam für die Bevölkerung hier beten. Ich habe mir viele Gedanken gemacht in dieser Zeit und sehr viel gelernt. Es war nicht schön - wirklich nicht, aber die meiste Angst hatte ich um unsere Freunde in der Stadt, die wir durch die Telefonblockade erst auch nur schwer erreichen konnten.
Um meine Gedanken selbst zu verarbeiten habe ich damals einen Text geschrieben, das hier sind Ausschnitte davon…


Weißt du, wie der Frieden klingt?
Nein?
Sei dankbar dafür.

Er klingt nach Kinderrufen und befahrenen Straßen,
weil er draußen Sicherheit gewährt.

Er klingt nach Musik in den Häusern und lachenden Menschen,
weil er alle in Ruhe leben lässt-
weil er dafür sorgt, das sich keiner verstecken muss.
Der Frieden klingt nach langsamen Schritten,
weil er die Zeit entspannt und es schafft, dass ein Freund nicht von zuhause fliehen und sich verstecken muss.

Der Frieden klingt nach Wind und Regengeprassel,
weil er dafür sorgt, dass die Soldaten im Trockenen bleiben.

Und der Frieden klingt nach singenden Vögeln,
die merken, dass die Schüsse aufgehört haben.

Wie alt bist du?
Weißt du, wie der Frieden klingt?
Nein?
Sei dankbar dafür, es könnte anders sein.

Trotz all den gegensätzlichen Dingen, die ich in dieser Woche erlebt habe - wunderschöne Sonnenuntergänge über einer fruchtbaren Gegend, während seit Sonnenaufgang die Stadt in Angst lebt und kein Geschäft geöffnet hat zum Beispiel - hatte ich eine wunderbare Zeit (wieder so ein Gegensatz: wir haben so was tolles erlebt, aber der Grund dafür ist überhaupt nicht schön).
Ich bin so dankbar, für alles, was die Sisters aus Romajay für uns getan haben und dafür, dass sie uns aufgenommen haben, als wäre es auch unser Zuhause. Ich konnte über so vieles Nachdenken - und war dabei niemals alleine. Ich wünsche diesen Schwestern Gottes Segen und viele Begegnungen mit genauso offenen und fröhlichen Menschen, wie wir sie selbst erlebt haben.

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The nine days from the 31st September to the 9th October contained our stay in Romajay, a convent of the Sisters Congregation of Mary Morningstar, which was fund in France (not too long ago). The convent is not right in the center of Kumbo, so it seemed to be safer in the case of the struggle of the first October and the following days.
The sisters were really nice, we experienced so many things and I learned a lot about the Christian belief, the way to God that these sisters follow and my own way to God. We had a great time in the convent, but this week was full of contradictions. While we passed a quiet and calm time with the town around us was afraid of the happenings. Different groups of people provoked each other until the situation escalated. We were never really afraid of ourselves, but more afraid about our friends in town that we could not reach, because the phone network was blocked. Some of them finally had to flee from their home places, because of the danger that the situation took them into.

Even if there was a lot of fear around this time, we are so thankful for the sisters, that they welcomed us so warmly, and we really wish all the best for them and Gods blessing. You are really great people.


Freitag, 15. Dezember 2017

Die Ruhe vor dem Sturm

25. - 30.9.2017

Die Ruhe vor dem Sturm...
Diesen Titel möchte ich ganz zu Beginn erklären und dazu auch schon etwas zu den folgenden Posts sagen.
Kennt ihr das, wenn ihr in den Himmel schaut und sich dort ein Gewitter zusammen braut? So dunkle Wolken, die sich verdichten und eine Stille, die zwar ziemlich friedlich aber irgendwie seltsam verdächtig ist? - das ist jetzt ziemlich metaphorisch gesprochen, aber vielleicht kann ich so meine Eindrücke dieser Woche ganz gut darstellen.
In den folgenden Posts werden immer wieder Berichte der politischen Situation hier in Kumbo und meiner persönlichen Wahrnehmung auftauchen. Bitte lest diese Abschnitte nicht leichtfertig! Wir haben keinen richtigen, vertrauenswürdigen Nachrichtensender als Informant, sondern nur jegliche Erzählungen und Zeitungsartikel. Oft werden die Geschehnisse emotionalisiert, verharmlost oder dramatisiert weitergegeben. Die "Wahrheit" ist so fast ungreifbar.
Auch ich habe hier Freunde gefunden, die hart von der Krise betroffen waren und kann deshalb, auch wenn ich mich natürlich bemühe, nicht garantieren, dass meine Texte frei von persönlichen Wertungen und Emotionen sind. Um einen guten Überblick über die Lage zu bekommen, bitte ich euch, euch weitergehend zu informieren. Hier sind einige Links zu Artikeln und Seiten, die euch weiterhelfen können:

Weltkirche Bistum Limburg - Partnerschaft mit Kumbo

Friedrich-Ebert-Stiftung / Referat Afrika

katholisch.de Kamerun Konflikt

Jetzt aber erstmal wieder etwas zu meinen Erlebnissen dieser Woche...

Montag und Dienstag waren Ghosttown Tage. Die Tage, an denen der Ghosttown-Streik ausgerufen wurde, schienen sich immer wieder zu vermehren. Viele Leute - besonders die Menschen, die ihre Lebensmittel auf den Märkten verkaufen müssen, um Geld zum Überleben zu verdienen - waren von den langen Streikperioden stark betroffen. Oft waren wir uns gar nicht so sicher, ob wir Zuhause bleiben oder zur Arbeit gehen sollten, aber dank unserer lieben Freunde und Arbeitgeber wurden wir meistens so rechtzeitig informiert, dass sich der Morgen schlafend im Bett noch ausdehnen ließ.
Ivolyns Haus in Mbiame
So sieht ein Gottesdienst Zuhause aus...
Am Mittwoch unternahmen wir einen richtigen Ausflug. Wir waren von Ivolyn - einer ehemaligen Reversefreiwilligen - zur Taufe ihrer kleinen Tochter Sarah nach Mbiame eingeladen worden. Mbiame ist ein Dorf mit einstündiger Bike-fahrt-Entfernung, die wir im Morgengrauen zusammen mit Flora antraten. Ja, wir waren tatsächlich für eine Stunde 4 Leute auf einem Bike - das war kuschelig :D. Der Gottesdienst wurde im Haus von Ivolyns Familie abgehalten, in dem sich ihre SCC (Small Christian Community) oft trifft. Die Taufe selbst hatte dann aber ziemlich viel Ähnlichkeit mit einer Taufe, wie ich sie aus Deutschland kenne.


Bis auf die Tatsache, dass den Gästen nach dem Gottesdienst, also circa um 7:30 Uhr Fufu, Njama Njama und Reis serviert wurde - es gab Zeiten, da konnte ich um diese Uhrzeit nicht mal eine ganze Scheibe Brot essen... aber geschmeckt hat es schon. Nachdem wir schließlich noch eine Verwandte von Flora besucht hatten ging es dann auf den Rückweg nach Kumbo - natürlich wieder auf dem Bike. Leider regnete es... erst leicht...dann in Strömen, und wir hatten echt Glück, dass Floras Schwager (unser Bike driver) so erfahren mit den Straßen und dem Regen umgehen konnte. Trotzdem haben wir irgendwann eine Pause eingelegt um uns etwas aufzuwärmen und den schlimmsten Regen vorbei ziehen zu lassen. Also so hatten wir uns das zumindest ursprünglich vorgestellt. Dieser Nachmittag war beeindruckend für mich... Wir klopften an eine fremde Haustür um uns vor dem Regen zu verstecken. Sofort bekamen wir Stühle angeboten. Wir blieben an der Tür sitzen und schauten nach draußen in das fallende Wasser. Bald schon brachte die eine Tochter der Familie Passionsfrüchte, die wir genießen konnten. Und etwas später saßen wir dann alle in der Feuerküche der Familie zusammen, tranken vom Vater zubereiteten Thymian-Tee und aßen geröstete Maiskolben. Und so wurde unser Besuch immer länger und länger. Schließlich mussten wir doch noch im Regen die letzten Kilometer nach Kumbo bestreiten, weil es im Dunklen noch unangenehmer geworden wäre. Eine so gastfreundliche Familie habe ich aber bisher noch nirgendwo angetroffen. Es kann nicht leicht sein, vier Fremde einfach in sein Haus einfallen zu lassen, oder?
Fast zum schwimmen geeignet.
Am Donnerstag ging es dann wieder auf die Arbeit, und trotzdem schien die politische Spannung immer ernster zu werden. Am Abend bekamen wir eine Mail von der deutschen Botschaft, in der wir auf den Konflikt und nötige Vorsichtsmaßnahmen hingewiesen wurden. Dieser Brief brachte uns dann doch ernsthaft zum denken.
Als ich am darauffolgenden Tag morgens nach Shisong auf die Arbeit fuhr, sah ich tatsächlich viele Soldaten an Squares. Es war zwar alles friedlich, aber trotzdem hatte ich ein seltsames Gefühl, als ich an diesem Szenario vorbei fuhr. Abends waren dann noch Annika und Lisann (zwei Freiwillige der evangelischen Kirche hier in Kumbo) bei uns zum Kuchen und Zimtschnecken backen. Es hat echt viel Spaß gemacht und sooo lecker geschmeckt :-) ... schade nur, dass die beiden schon so früh gehen mussten - aber gegen die Dunkelheit kann man hier halt nicht viel machen.
Im Laufe der Woche wurden wir für das "politisch kritische Wochenende" zu den Sisters nach Romajay eingeladen. Also packte wir am Samstag nach einem ausgiebigen Brunch-Frühstück unsere kleinen Rucksäcke und begaben uns zu Fuß auf den Weg nach Romajay. Irgedwie kam es uns ungewöhnlich leise auf dem Weg durch die Stadt vor, leiser sogar als an Ghosttown Tagen. Wir waren allerdings total entspannt und genossen es, einmal nicht ständig angequatscht oder hinterher gerufen zu werden. Erst in Romajay trafen wir eine Mentorin einer anderen Freiwilligen in Kumbo, die uns berichtete was für ein Chaos bereits in der letzten Nacht hier passiert ist. Dazu gehören Tränengas, Provokationen beider Seiten, Verletzte, ...
Uns ging es aber sehr gut und wir genossen die freundliches Willkommensgesten der Schwestern sehr. Unser Aufenthalt in Romajay war super interessant und toll, aber dazu im nächsten Post mehr ;-)

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REAL Food in the morning
In the beginning of this post, I want to direct your attention to the political problems that might appear in my description of the next weeks more often. Even if I try my best, I won't be able to tell the "truth" about these happenings. My friends were hidden by the crisis hard as well, and I should tell you that it is not very easy to write completely emotional neutral when you think of your friends (or anyone) suffering. So, I beg you to look for some information about the crisis on several Internet sites, in newspapers and maybe TV Shows. Please, form your own mind!

Monday and Tuesday were ghost town days (they got more and more every week), but on Wednesday we went to visit Ivolyn (a former reverse volunteer) for the baptism of her baby child Sarah. The baptism took place in their house with some friends and their SCC (Small Christian Community). Except the fact that we were given Fufu, Njama Njama and Rice to eat after mass - at about 7:30 am.
Thursday was a normal working day, but on Friday we had some nice cooking/baking experiences with Annika and Lisann - two other German volunteers - in our place.
Just on Saturday afternoon, when we went to Romajay to spend some days with the sisters of the Convent situated there, we recognized that the struggle already started. The first of October was going to come and provocations on both sides already started (teargas, beatings, ...)
Anyway, we were so welcome in Romajay and the sisters made us feel very comfortable from the first minute on.